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andy112
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Wohnort: Gera
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19.07.2007 ~ 00:10 Uhr ~ andy112 schreibt:
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im Forum Thüringen seit: 23.03.2006
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Abschied von Helmut Beer |
Beitrag Kennung: 54550
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Von Uwe Müller Gera. Seine politischen Ämter betrachtete Helmut Beer als Pflichterfüllung. Und Erfüllung einer Selbstverpflichtung ist es, dass sich der Sozialdemokrat heute aus Gera und damit auch von der politischen Bühne dieser Stadt verabschiedet. Helmut Beer und seine Frau Christine zieht es nach Dortmund, um sich Kindern und Enkeln zu widmen.
Mit dem Luther-Nachkommen zieht sich der letzte aktive Wendepolitiker zurück. "Ich gehörte zu DDR-Zeiten keiner Partei an. Auch wenn ich in einem Betrieb arbeitete, in dem zwei Drittel oder drei Viertel in der SED waren. Ich bin mit jedem gut ausgekommen - vom Pförtner bis zum Direktor, hatte keinen Druck. 1989/90 kam die Aufbruchstimmung. Für mich war das ein Signal, dass sich diejenigen politisch engagieren mögen, die sich bisher zurückgehalten hatten", erinnert sich der studierte Mathematiker, wie er in die Politik gekommen ist.
Das Mathematisch-Rationale hat Beer davor bewahrt, zum politischen Eiferer zu degenerieren, es machte ihn immun vor Versuchungen, dem Wahn einer Allmacht zu verfallen, kraft Amtes quasi naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten aushebeln zu können. Drei mal drei ist überall neun - in Amerika, der Sowjetunion, in China und auf dem Nordpol; deshalb hat er Mathematik, etwas Unpolitisches studiert. Und als er parteipolitischem Kalkül und Proporzdenken trotzte und zur Stadtratswahl 2004 - als bekanntester Geraer Sozialdemokrat - nur auf Platz drei gesetzt wurde, da machte er aus der parteiinternen Schmach eine Tugend und einen Wahlspruch: Liste drei, Platz drei, drei Stimmen. Und wurde für seine Geradlinigkeit belohnt mit 3398 Stimmen - die Spitzenposition auf der SPD-Liste.
Beer war von 1990 bis 1994 Dezernent für Recht und Ordnung im Nachwende-Magistrat. 1993/94 wurde er von der Parteibasis als Oberbürgermeister-Kandidat nominiert - gegen den damaligen SPD-Bürgermeister Ralf Rauch. Beer unterlag, übernahm den SPD-Fraktionsvorsitz, den er bis zum Sommer 2002 inne hatte. Dann der Nackenschlag aus den eigenen Reihen: in der Frage des Klinikumsverkaufs hatte sich die Fraktion eine halbe Stunde vor der Ratssitzung gegen ihn gestellt und ihre bisherige Beschlusslage aufgekündigt. Beer, ein Mann, den Konstanz und Geradlinigkeit prägen, zog die Konsequenz und trat zurück. Nun, zu seinem Abschied von der politischen Bühne, wird er zum ersten Ehrenmitglied der Geraer SPD, die Satzung war eigens zu ändern.
Beer hat trotz innerparteilicher Rückschläge niemals sein Ego über seine Überzeugung gestellt, wonach die SPD der Anwalt der Schwachen ist. Anlässlich seines 60. Geburtstages, vor drei Jahren, erklärte er in einem Interview gegenüber dieser Zeitung: "Ich bedaure nichts, auch wenn es mir persönlich nicht viel Glück gebracht hat. Ich bin aus Respekt vor meinem Schwiegervater in die SPD eingetreten. Er hatte mich als 19-Jährigen, der seine Eltern verloren hatte, aufgenommen. Mit der politischen Arbeit hat sich mein Horizont wesentlich erweitert. Ich habe viele Menschen kennengelernt, das möchte ich nicht missen - bei allem Ungemach."
Fünf Jahre steht Helmut Beer nun schon nicht mehr an der Spitze der SPD-Stadtratsfraktion - doch mit ihm personifizieren viele Geraer noch immer sozialdemokratische Politik. Obwohl er sich nie in den Vordergrund zu spielen suchte, wohl aber mit sachlichen und pointierten Beiträgen sich in Diskussionen einschaltete. Und im Hintergrund viele Strippen zog - auch Netzwerke knüpfte für die erfolgreiche Oberbürgermeister-Kandidatur von Dr. Norbert Vornehm. Als Ralf Rauch am Ende seiner Amtszeit vor dem Stadtrat äußerte, ein neuer OB möge zwar vieles anders, aber nichts besser machen, hielt Beer entgegen: Wir werden ihm das Gegenteil beweisen. Eine Stütze fehlt Dr. Vornehm ab heute abend - und es ist keiner in Sicht, der das Format eines Helmut Beer hat.
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